Stellungnahme zum Planentwurf 8059 (u. a. Linzer Straße, Rosentalgasse), 02.01.2014

Donnerstag, den 02. Januar 2014 um 00:00 Uhr
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Stellungnahme zum Entwurf Flächenwidmungs- und Bebauungsplan Nr. 8059, Kat.G. Hütteldorf in Penzing, 1140 Wien

Für das Gebiet zwischen Pappelstraße, Steinböckengasse, Eichenweg, Heideweg, Heschweg, An der Niederhaid, Dehnegasse, Linzer Straße, Rosentalgasse, Freyenthurmgasse, Hüttelbergstraße, Wegerichgasse, Libellenweg, Stockentenweg, Zyklamengasse, Schmätzerweg, Nachtigallenweg, Ulmenstraße.

Der Verein Initiative Denkmalschutz gibt folgende Stellungnahme ab:

Grundsätzlich wird im Sinne der Erhaltung des örtlichen Stadtbildes und der Altstadterhaltung, also zur Gewährleistung des Bestandes, eine bestandsgenaue Widmung für die historischen Objekte im Plangebiet sowohl in der Höhenentwicklung, als auch hinsichtlich der bebaubaren Fläche vorgeschlagen. Dadurch wird auch am ehesten - neben der Festsetzung einer Schutzzone - der Anreiz für Abbruch und Neubau vermieden.

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Es wird vorgeschlagen für die Häuser Linzer Straße 392 bis 396 (gemeinsam mit Linzer Straße 381a) eine Schutzzone auszuweisen (gemäß Beilage 1, Antragsentwurf 2, Seite 1, ist auch eine "Festsetzung einer Schutzzone" für Teile dieses Plangebietes vorgesehen, jedoch ist im Planentwurf keine solche ausgewiesen!) . Das Haus Linzer Straße 396 wird selbst im Erläuterungsbericht (S. 3) als "von kunsthistorischer Bedeutung" bewertet und im Dehio (S. 319) folgendermaßen beschrieben: "Erbaut 1904 von M. Markl und F. Müller, secessionistisches Miethaus, überhöhte Seitenachsen mit Erkern, vorgezogene Traufe, floraler Reliefdekor, Gitterbalkons; marmorverkleidetes Vestibül mit Stuckreliefs, Ätzglasfenster" (vgl. auch Achleitner, S. 95). 1140 Wien Dieses Haus und die beiden Nachbarhäuser (aus der gleichen Bauperiode stammend: Linzer Straße 392 mit Gründerzeitdekor, erb. 1887; Linzer Straße 394, erbaut 1901, mit Mittelerker) bilden typische Vertreter von Schutzzonenhäusern in Wien und würden allein oder gemeinsam mit dem der Straße gegenüberliegenden Haus Linzer Straße 381A (erbaut 1902, mit gründerzeitlicher Fassadengliederung; außerhalb des Plangebietes gelegen) eine eigenständige Schutzzone bilden. Zum besseren Schutz wird darüber hinaus vorgeschlagen eine besondere Bebauungsbestimmung (BB) für die genannten Bauten auszuweisen, in denen die Anzahl der existierenden Hauptgeschoße festgesetzt wird.

Weiters wird empfohlen für die Häuser Rosentalgasse 14 und Rosentalgasse 19 bestandsgenaue Widmungen sowohl in Bezug auf die Bauhöhe, als auch in Bezug auf die bebaubare Fläche auszuweisen.

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Das Haus Rosentalgasse 14 stellt ein typisches Beispiel eines vornehmen gründerzeitlichen Herrschaftshauses in den Wiener Vororten dar und zeichnet sich besonders durch eine erstaunlich vollständige originale Erhaltung mit reicher historistischer Fassadengliederung aus.

Das Haus Rosentalgasse 19 stellt trotz seiner nachteiligen Veränderungen noch immer ein bedeutendes Beispiel der Wiener Architektur der Zwischenkriegszeit dar ("gehört zum Besten der Zwischenkriegszeit, das in Wien entstanden ist", Achleitner S. 111). Das Haus für Konrad und Therese Mühlbauer erbaut, wurde von dem berühmten Architekten Ernst A. Plischke 1930-31 geplant, der Garten wurde von Anna Plischke, seiner späteren Ehefrau gestaltet.

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Zu prüfen wäre auch, ob die "Villen und Ländhäuser" (Zitat Dehio) in der Dehnegasse, die ab der Mitte des 19. Jh. erbaut wurden, ebenso schutzwürdig sind und daher für diese - gemeinsam mit den Häusern in der Rosentalgasse 24-28 - eine bestandsgenaue Widmung (und Schutzzone?) ausgewiesen werden sollte (Dehnegasse 4; Dehnegasse 7, erbaut 1909; Dehnegasse 9 (?) und Dehnegasse 11 (?); Dehnegasse 13, erbaut 1899; Dehnegasse 15a; vgl. Dehio).

Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung und unter Denkmalschutz stehend sind auch die sog. "Ruinenvilla" ("Willi Forst Villa"), ehem. Orangerie u. Gärtnerwohnung (erbaut um 1800 und 1936 für Willi Forst zur Wohnung adaptiert, derzeit im schlechten Zustand) im Dehnepark (Dehnegasse 15) und die Otto Wagner Villa in der Hüttelbergstraße 26 (erbaut 1886-88; jetzt Ernst Fuchs Museum). Hier möge überprüft werden, ob eine bestandsgenaue Widmung vorliegt (dem Augenschein nach weitgehend). Das südlich gelegene Gärtnerhaus in der Hüttelbergstraße 26 und das ehem. Glashaus in der Hüttelbergstraße 26a (erbaut 1886, mit Erweiterungen 1895 und 1910) mögen ebenso bestandsgenau gewidmet werden (dies ist hier im Planentwurf nicht vorgesehen).

Nicht beurteilt werden konnten die im Erläuterungsbericht vorgeschlagenen Widmungen für die Objekte in der Hüttelbergstraße 30 (Wasserbehälter der Albertinischen Wasserleitung, vgl. Erläuterungsbericht S. 12, 10, 2) und Hüttelbergstraße 28 (Zweite Villa Otto Wagner, vgl. Erläuterungsbericht S. 3), da sich diese gemäß Planentwurf außerhalb des Plangebietes liegen und keine konkrete Widmung ablesbar war. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass diese Objekte nicht für die Neufestsetzung Flächenwidmungs- und Bebauungsplan vorgesehen sind, da auf Grund fehlender Planausweisung keine Beurteilung möglich ist. Auf jeden Fall würden beide Bauten kulturhistorisch wertvolle Bauwerke darstellen, die ebenso bestandsgenau gewidmet werden müssten.

Weiters wird vorgeschlagen für die Schutzzone die entsprechenden Architekturteile in einen Katalog nach § 7 (4) Wiener Bauordnung aufzunehmen, sodass auch diese einen rechtsverbindlichen Bestandteil des Bebauungsplanes bilden.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Landerer und Claus Süss
im Namen des Vorstandes
Verein Initiative Denkmalschutz

Fotos: Markus Landerer, Initiative Denkmalschutz

Quellen:
Initiative Denkmalschutz
Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter
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Österreich / Austria
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