Anlässlich Hopf-Haus Demo: Verliert die Donaustadt ihr historisches Erscheinungsbild, 4.4.2014

Freitag, den 04. April 2014 um 09:00 Uhr ID Stellungnahme Wien - Wien 1220, Donaustadt
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Initiative Denkmalschutz: Verliert die Donaustadt ihr historisches Erscheinungsbild? )

Hopf-Haus: Anlässlich der Demo am 5.4.2014 gegen Abriss

1220 Das einstöckige Hopf-Haus in Wien-Kagran, ein wunderschönes Beispiel für den "Baumeister-Jugendstil" in Transdanubien, soll abgerissen werden und einem 6geschoßigen Wohnungsneubau weichen. Das vom Stadtbaumeister Josef Hopf 1905-06 erbaute Haus zeichnet sich durch seine reizvolle, dekorative Fassade in secessionistischen bzw. Neoempire-Formen aus. Falls die Demonstration morgen, Samstag "Gegen den Abriss des Hopf-Hauses" (5. April, 14-15 Uhr direkt vor dem Hopf-Haus, Donaufelder Straße 241; vgl. Facebook-Gruppe) den geplanten Abriss nicht mehr verhindern kann, sind die Verantwortlichen schnell ausgemacht: Es war wieder einmal die Untätigkeit sowohl der Wiener Stadtregierung als auch der Bezirksvertretung Donaustadt.

Fordert die Untätigkeit von Gemeinde und Bezirk drei Opfer in Kagran?

Diese beiden Institutionen haben es nämlich verabsäumt sich zeitgerecht für den Schutz der historisch wertvollen Häuserzeile an der Donaufelderstraße einzusetzen. 2004/05 wäre der richtige Zeitpunkt dafür gewesen. Damals wurde der aktuell gültige Flächenwidmungs- und Bebauungsplan im Gemeinderat beschlossen (24. Mai 2005; Plandokument 7482). Und der Bezirk Donaustadt hat in seiner Stellungnahme zum Planentwurf, die wesentlichen Einfluss auf den Beschluss im Gemeinderat hat, keinen Wunsch im Sinne der Erhaltung geäußert (mehrheitlicher Beschluss in der Bezirksvertretungssitzung vom 2. Dezember 2004): Es wurde weder eine Schutzzone noch eine niedrigere Bauhöhenwidmung vorgeschlagen, beides wesentliche Instrumente, die den Erhalt gesichert und den Anreiz zum Abriss und Neubau vermieden hätten.

Donaufelderstraße 217 und 219 die nächsten Opfer?

Nach dem Hopf-Haus könnten zwei weitere historische Gebäude in der Donaufelderstraße die nächsten Opfer sein: Beim Haus Donaufelderstraße 217 mit secessionistischem Fassadendekor, prangt aktuell schon ein Werbeplakat für einen Wohnungsneubau, ebenso beim Nachbarhaus aus der gleichen Bauepoche.

Spätestens seit 1996 war die Erhaltenswürdigkeit bekannt!

Bereits 1996 hat die Stadt Wien im Rahmen ihres Schutzzonenmodells Gebiete definiert, die "mit hoher Wahrscheinlichkeit" als schutzzonenwürdig eingestuft werden konnten, darunter waren auch die betroffenen Häuser. Geschehen ist leider - wie man sieht - nichts.

Wann werden Gemeinde und die Bezirke endlich tätig?
Flächenwidmungs- und Bebauungsplan ist das entscheidende Schutzinstrument

1220 Wir fordern die Wiener Stadtregierung und insbesondere alle Bezirksvertretungen auf den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan im Sinne der Stadtbildpflege ernst zu nehmen. Es ist unglaubwürdig, wenn Parteien bzw. Politiker in der entscheidenden Phase der Umwidmung alle Bemühungen zum Schutz des Wiener Stadtbildes unterlassen, und sich danach als Retter historischer Bausubstanz versuchen. Dutzende Stellungnahmen hat der Verein Initiative Denkmalschutz seit seiner Gründung im Jahr 2008 abgegeben (5 davon allein im 22. Bezirk). Geschehen ist leider seitdem sehr wenig. Die politischen Vertretungen vieler Bezirke sowie der Gemeinderat zeichnen sich weiterhin viel eher durch Untätigkeit als durch Engagement für den Erhalt aus. Erst vor kurzem hat die Initiative Denkmalschutz auf die drohende Zerstörung vom gesamten Ortsteil Gaudenzdorf in Meidling hingewiesen und stellte die Frage: Soll nur der Zufall entscheiden, was vom historischen Gaudenzdorf in 20 Jahren noch erhalten sein wird? Nach dem Beschluss im Gemeinderat im Dezember 2013 muss man diese Frage nun leider eindeutig mit "Ja" beantworten. Seit kurzem fahren dort Bagger auf und zerstören wertvolle Gründerzeithäuser, die unser Verein für eine Schutzzone vorgeschlagen hatte (z.B. Schönbrunner Straße 211).

Initiative Denkmalschutz fordert endlich Taten statt leerer Worte

"Die Pflege des überlieferten Gesichts der Stadt zählt zu den vorrangigen Aufgaben der Kulturpolitik" ließ Bürgermeister Michael Häupl 1999 verlauten.
Die vielfache Untätigkeit bei der Umsetzung von Schutzzonen-Erweiterungen beweist aber das Gegenteil. Die Initiative Denkmalschutz fordert daher von der Magistratsabteilung 21 (und MA 19) dringend die rasche Umsetzung der Schutzzonen-Erweiterungen im Sinne des Schutzzonen-Modells aus 1996.


Rückfragehinweis
Markus Landerer und Claus Süss
im Namen des Vorstandes

Verein Initiative Denkmalschutz
Streichergasse 5/12, 1030 Wien (ZVR-Nr.: 049832110)
www.initiative-denkmalschutz.at
mobil: 0699 1024 4216


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